Samstag, 2. Juli 2011

Schauspiel Review (raplog.de)

Schock!
Ich habe das Release – Datum verschlafen. Schauspiel wurde am 15.05. veröffentlicht. Und ich habs nicht mitbekommen. Erst ein Tweet von M-Riebold, einem der beiden Rapper hinter onetime4yaMind, der mich dezent auf den Release hinwies, hat mich hochgeschreckt. Also den Mac angeworfen, iTunes gestartet und los.

Gewohnte Stimm(ungs)lage
Wer onetime4yaMind kennt, der kennt auch die beiden intensiven Stimmen dahinter. Trauma und M-Riebold machen ihren Job. Und den machen sie verdammt gut. Die beiden wehren sich nachhaltig gegen die neuen Tendenzen im HipHop. Obwohl der Hype um Casper und Konsorten erst nach dem Release so richtig einsetzen sollte, bekennen sie sich schonmal vorsorglich als “Zu alt für das Neue”. Dass das nicht altbacken oder altmodisch klingen muss, beweisen die 13 klassisch ausproduzierten Tracks. Sehr reflektiert und zivlisiert geht es zu im Schauspiel. Erholsam. Hier wird nicht geflucht, hier wird argumentiert, gelitten, laut gedacht und erzählt. Manchmal ist es ein bisschen zu spirituell (“Sternenkind”). Man braucht schon etwas Zeit, um in die Texte zu finden, das ist aber eine Stärke des Albums. M-Riebold und Trauma schaffen es, selbst die negativsten Erfahrungen in eine positive Message zu verpacken, so wie in “Verluste”.

Musikalisch
Die Beats sind durchweg klassisch mit teils großartigen Soul – Samples. Nicht altmodisch oder angestaubt. Obwohl viele Köche dabei geholfen haben – Natural Diggers, Maxmiles, Drumatic, Truestatiks, Sterio und Flash Meyer – klingt das Ergebnis wie aus einem Guß. Und zwar homogen, nicht langweilig. Der Großteil der Beats sind ziemlich laid-back und entspannt. Sogar richtig gute Cuts haben es geschafft auf Track 12 – “Nach Dem Match Ist Vor Dem Match”. Klang- und stimmungstechnisch gibt es an dem Album also wenig auszusetzen. Es ist leider nur nicht besonders gut abgemischt worden. Man versteht an manchen Stellen die beiden Rapper nicht gut und das ist mitunter anstrengend.

Einer geht noch
Und nun kommen wir zum einzig echten Kritikpunkt: Warum einen der besten Songs des Albums in einem Hidden-Track (ab 4:49 des letzten Tracks) verstecken? Das haben die beiden schon in ihrem letztjährigen Mixtape “Drehbuch” gemacht. Und das tut dem Song Unrecht. Jede Strophe startet mit einem allbekannten Zitat aus der deutschen Rap – Szene (Stieber Twins, Afrob und Samy Deluxe sowie Dendemann.

Abspann
Ich muss es gestehen. Auch für mich hat das Mixtape “Drehbuch” die Messlatte für die beiden bereits sehr hoch gehängt. und sie haben nicht gerissen. Auf eigenen Beats klingen die Gedanken der beiden genausogut wie auf bereits erprobten. Wenn man die beiden denn akustisch versteht. Das Album ist ein absoluter Volltreffer für Rap – Feinschmecker. Um es auf den Punkt zu bringen: Wer Curse mag, und sich für dessen Alben Zeit genommen hat, kann hier schonmal Urlaub für dieses Werk hier buchen. Danke für dieses grandiose Schauspiel.

Link zum Album bei iTunes: http://itunes.apple.com/de/album/schauspiel/id442931448

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